Zum Nachdenken

Kurzmitteilung

Gedanken von Elise Malsch

Als ich 14 war, war mein Vater so unwissend. Ich konnte den alten Mann kaum in meiner Nähe ertragen. Aber mit 21 war ich verblüfft, wie viel er in sieben Jahren dazugelernt hatte!
Mark Twain (1835 – 1910)

…..- 4 Jahre – Mama weiß alles.
…. 12 Jahre – Mama weiß nicht wirklich alles.
…. 14 Jahre – Mama weiß gar nichts.
…. 16 Jahre – Wer ist Mama?
…. 18 Jahre – Die gehört doch zum alten Eisen.
…. 25 Jahre – Mama weiß das vielleicht.
…. 35 Jahre – Bevor wir das entscheiden, fragen wir mal die Mama.
…. 45 Jahre – Ich frage mich, wie Mama darüber denkt.
…. 70 Jahre – Wie gern würde ich jetzt Mama fragen!
(unbekannt)

Aus dem Gemeindeleben

Hier nun Geschichten und erzählungen aus dem Gemeindeleben von Elise Malsch

II. Weltkrieg – 1939 – 1945

Drei Freunde treffen sich nach langer Zeit in der Heimat. Sie sind von ihrem Arbeitseinsatz in den besetzten Ostgebieten zurückgekommen. Dort legten sie Knüppeldämme, um die Wege begehbarer zu machen. Nach ihrem Heimaturlaub müssen sie in den Krieg.

Alle drei wollen den Urlaub genießen. Hermann geht mit seiner Freundin oft schwimmen im schönen Schwimmbad, ei- ner Errungenschaft unseres Städtchens. Abends sitzen beide zusammen und reden von der Zukunft. Hermann, der junge In- dustriekaufmann, hatte sein Abitur nebenbei gemacht und wollte studieren. Doch dann kam alles anders.

„Wirst du mich begleiten, wenn ich mich in den Ostgebieten selbstständig machen werde?“, fragt er das junge Mädchen. Das bleibt zunächst still. „Wie kann er so fragen, wo der Krieg in Russland tobt? Alles ist unsicher.“ „Ja“, sagt Anne dann doch.
Lange halten sich beide eng umschlungen.

„Heute wandern wir und machen uns einen Spaß. Wir kochen am Wegrand ab“,
verkündet der junge Mann. Anne ist damit einverstanden und freut sich. Eine stundenlange Wanderung durch Wiesen und Wald hat einen mächtigen Appetit angeregt. Hermann hat einen Suppenwürfel und sogar einen Streifen Schinken mitgebracht. Quellwasser und Holz im nahen Wald gibt es genügend. Nach der „köstlichen“ Mahlzeit strecken sich beide auf der Wiese aus und sind rundum glücklich. Mit Goethe könnten sie sagen:
„Zum Augenblicke möcht` ich sagen: Verweile doch, du bist so schön ……“

Auch die beiden Freunde vergnügten sich mit ihren Blondinen.

Doch nun rückt der Abschied nahe ein schlimmer Abschied.
Werden wir uns wiedersehen?

Mit diesem Abschied ist selbst der Himmel nicht einverstanden. Drei Paare, die zu Fuß auf der Straße nach Herges (Trusetal) gut vorankommen, müssen mit ständigem Regen fertig werden. Doch pünktlich kommen sie am Trusetaler Bähnchen, das die drei jungen Männer nach Wernshausen weiterfahren soll, an. Von dort geht es zum festgesetzten Ort weiter. Das schwere Gepäck auf dem Rücken, Anne an sich gedrückt, wird Hermann plötzlich ganz ernst: „Wirst du meiner Mutter beistehen, wenn mir etwas passiert?“
Das junge Mädchen ist schockiert.
„Du kommst wieder“, sagt sie endlich und lacht ihm voll ins Gesicht.

Nach kurzem, aber innigem Abschied stehen drei Mädchen und winken, winken ……

Fast zwei Wochen sind seitdem vergangen. Die Heckenröschen blühen. Bei einem Spaziergang durch die Wiesen pflückt Anne ein Röschen ab und
legt es in den ersten Feldpostbrief an Hermann.
Nur wenige Tage danach kommt der Brief zurück mit dem Vermerk: „gefallen“.
Ein trauriges, junges Mädchen weint und fragt: „Warum? Wofür?“ Dann fühlt sie die Hand der Mutter, die sie streichelt. Schon am nächsten Tag besucht sie Hermann`s Mutter. Eine im Schmerzt völlig aufgelöste Frau, tief gebeugt auf einem Stuhl sitzend, die Kopfhaare streifen fast den Fuß- boden, hebt ein wenig den Kopf, als Anne eintritt. Das junge Mädchen umarmt die weinende Mutter. Beide versuchen, einander zu trösten.
Nie wieder Krieg!

Bei einem späteren Gedenken legen die Trauernden Blumengebinde am Denkmal für Gefallene im Marktplatz (Bad Vilbeler Platz) nieder. Dort mahnen eingemeißelte Worte: „Dass niemals eine Mutter ihren Sohn beweint!“

Von den drei Freunden kehrten zwei nicht mehr zurück.

Und heute? `Gott sei Dank´ leben wir in unserem Land seit fast 72 Jahren in Frieden.
Aber um uns herum toben Kriege. Wie oft werden Menschen ermordet durch schreck- liche Anschläge in arabischen, asiatischen, aber auch europäischen Ländern! Deutschland hat davon schon zu spüren bekommen.
Bitten wir Gott um Frieden in der Welt!

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Irene

Das hatte Irene nicht gedacht, dass aus dem anfangs vermurksten
Tag noch ein schöner werden würde.

Sie wollte mit dem Bus in die benachbarte Stadt zum Arzt fahren. Als sie an die Bushaltestelle kam, war dieser bereits einige Minuten früher abgefahren.
Irene war ratlos und enttäuscht. Den Arzttermin konnte sie nun nicht mehr einhalten, denn der nächste Bus fuhr erst zwei Stunden später. Missmutig fragte sie sich: „Warum?“
Sie hatte sich doch vor wenigen Tagen genau informiert. Was die Dame nicht berück-
sichtigt hatte, war der neue Fahrplan, der gerade heute in Kraft getreten war. Sie begab sich auf den Heimweg. Zu Hause wollte sie versuchen, die Arztpraxis telefonisch zu benachrichtigen. Auch das schlug fehl. Sie bekam keine Verbindung. Endlich gingen die zwei Stunden vorbei. Nun saß sie im Bus und ängstigte sich, ob eine Behandlung überhaupt noch möglich sein werde.

Eine freundliche Dame an der Aufnahme zeigte volles Verständnis für ihr späteres Eintreffen. Der Warteraum war kaum noch besetzt. Wider Erwarten konnte Irene schnell beim Arzt vorstellig werden und sich mit einer befriedigenden Diagnose verabschieden.

Später, in einem Straßencafè, wurde ihr Gemüt bei einer Tasse Kaffee immer leichter und heller. Es machte ihr Spaß, die Passanten zu beobachten. Plötzlich stutzte Irene 
wer kam denn da? Zielgerichtet ging ein flotter Herr auf sie zu. Sie traute ihren Augen nicht es war ein alter, lieber Freund, den sie viele Jahre nicht gesehen hatte. Sie begrüßten sich herzlich und freuten sich über das unverhoffte Wiedersehen. Und mit ihnen freute sich ein sonniger Frühlingstag mit blauem Himmel und sprießendem Grün rund um sie herum.

Viel Trauriges hatten beide zu berichten. Sie waren `durch`s finstere Tal gewandert` mit innerlichen und äußerlichen Bedrängungen. Irene`s Mann hatte sie verlassen, und die Frau des Freundes war verstorben. Doch sie hatten sich von Gott trösten lassen.

Und nun dieses überraschende Wiedersehen! Noch lange redeten sie zusammen, erinnerten sich an frühere Gemeinsamkeiten und schließlich auch an den dummen Streit. Nun aber mussten sie sich verabschieden, doch nicht für immer 
sie wollten sich wieder sehen.
Auf der Heimfahrt überdachte Irene im Bus diesen Tag und kam zu der Erkenntnis:
Bei einer misslungenen Sache nicht erregt und unsachlich reagieren, sondern besonnen bleiben. Es gibt immer einen Weg! Und der anfangs krumme kann sogar zu einem breiten, schönen werden. – Vielleicht sollte es so sein, dass sie zwei Stunden später als vorgesehen zum Arzt kam und danach ins Cafè ging!?

„Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl,
das macht die Seele still und friedevoll.
Ist`s doch umsonst, dass ich mich sorgend müh,
dass ängstlich schlägt das Herz, sei`s spät, sei`s früh.

Du weißt den Weg ja doch, du weißt die Zeit,
dein Plan ist fertig schon und liegt bereit.
Ich preise dich für deiner Liebe Macht,
ich rühm die Gnade, die mir Heil gebracht.

Du weißt, woher der Wind so stürmisch weht,
und du gebietest ihm, kommst nie zu spät.
Drum wart ich still, dein Wort ist ohne Trug,
du weißt den Weg für mich, das ist genug.“

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Sonntag ist`s …
Es war im vorjährigen Frühsommer. Der Kleinschmalkalder Männerchor bereicherte unser Sommerfest, das wir im „Haus an Seimberg“ feierten, mit seiner Präsenz ungemein. Die Sänger brachten u. a. das alte, schöne Volkslied: „Sonntag ist`s“ zu Gehör. Damit erinnerte ich mich an längst vergangene glückliche Zeiten.

Der Sonntag war für die ganze kleine Familie ein Feiertag. Wir Eltern genossen ihn mit einer etwas längeren Bettruhe als sonst. Unsere beiden Kinder kamen aus ihrem Zimmer in unser Schlafzimmer. Der sechsjährige Sohn schlüpfte zum Papa ins Bett, das dreijährige Töchterchen zur Mama. Innig drückten wir die Kinder an uns. Diese Zuwendung beglückte die Kleinen, war doch die Woche über oft wenig Zeit dafür. Wir waren alle fröhlich und mit der Welt und uns selber im Einklang. Wie konnte es dann anders sein?! Aus innerer Zufriedenheit und Freude heraus fingen wir an zu singen, mal laut, mal innig, manchmal auch falsch und ohne Text, aber im- mer gelang es. Und was sangen wir? Das melodische Lied:

„Sonntag ist`s,
in allen Wipfeln rauschet es der dunkle Wald.
Alle Bäche leise fließen, alle Vögel wonnig grüßen
und von fern die Glocke hallt,
und von fern die Glocke hallt.

Sonntag ist`s,
am Zaun das Veilchen betet still im Gras für sich.
Rose hebt die süßen Augen und die roten Lippen hauchen
ein Gebet demütiglich
ein Gebet demütiglich.

Sonntag ist`s,
ein heil´ger Frieden liegt auf Erden weit, so weit.
Sonntag ist`s in allen Herzen, Sonntag ist`s für alle Schmerzen
Heil`ger Sonntag weit und breit,
Dann machten wir uns für den Tag fertig. Nachmittags wurde gewandert. Und am Abend freuten wir uns schon wie- der auf den nächsten Sonntag.

Der Sonntag muss geschützt bleiben. Die notwendige Sonntagsarbeit darf nicht noch ausgeweitet werden. Der Mensch braucht einen Tag zum Entspannen, für die Familie, die Freude, Zeit für sich selbst. Am Tag des Herrn hat der Sonntag einen religiösen Inhalt: Zeit für Gott. Wir können eine gute Predigt hören, mit der wir uns Kraft für die neue Arbeits- woche holen, mit der wir angeregt werden, über unser Leben nachzudenken.
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