Neugotische Kirche

Centralblatt der Bauverwaltung, 23. März 1901

Die neue evangelische Kirche in Brotterode in Thüringen.

Die aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts stammende, im Barockstil gebaute evangelische Kirche in Brotterode brannte am 10. Juli 1895 bei der großen Feuersbrunst, die fast den ganzen Ort in Asche legte, bis auf die Umfassungsmauern ab.
Der Platz, auf dem nach dem Abtragen der Brandruine die neue Kirche erbaut worden ist, liegt etwa 11m über dem Marktplatz und den angrenzenden Straßen auf einer Anhöhe die nach Westen steil abfällt und im Osten an eine mit neuen Wohnhäusern besetzte Straße grenzt.
Der Grundreiß der in frühgotischen Formen erbauten Kirche zeigt die Gestalt eines Kreuzes. Der Haupteingang, über dem sich ein (bis zum Knauf) 42 m hoher Thurm erhebt, liegt in der Achse des Hauptschiffes. Die Treppenhäuser zu beiden Seiten des Thurmes vermitteln den Aufgang zu den Emporen und den oberen Thurmstockwerken, während noch zwei weitere Nebeneingänge im Süden und Osten zum unteren Raum führen. Die Kirche hat 736 Sitzplätze für Erwachsene und 144 für Kinder.
Das Fundament wurde theilweise aus den beim Abbruch der alten Kirchenmauern gewonnenen Bausteinen hergestellt, im übrigen fand, ebenso wie für das aufgehende Mauerwerk, ein Kohlensandstein von röthlich-grauer Farbe aus einem der Gemeinde gehörigen Bruche Verwendung. Der Sockel ist in kräftigen Bossen mit Randschlag, das übrige Mauerwerk in gespitzter Bearbeitung und unregelmäßigem Verbande, jedoch lagerrecht gebildet. Die Strebepfeiler, Thür- und Fenstergewände, sowie die Gesimse und Consolen sind in gelblich-weißem Sandstein aus verschiedenen, im Kreise Schmalkalden belegenen Brüchen in gekrönelter Flächen-bearbeitung und mit scharrirtem Randschlag hergestellt. Im Innern ist das Sandsteinmauerwerk mit Ziegelsteinen verblendet und geputzt.
Die gewählte Art der Ausführung gewährt der Kirche, in Verbindung mit der bevorzugten Lage, eine wirkungsvolle und anmuthende Farbenstimmung, die durch den dunklen Ton der Schieferdeckung des Thurmes und der schiefer-farbenen Falzziegeldächer des Kirchenhauses und seiner Anbauten noch gehoben wird und sich in harmonischer Weise in das thüringische Landschaftsbild einfügt.
Haupt und Querschiff sind mit einer hölzernen, in den Dachraum einschneidenden Decke versehen, die mit einer doppelten Papplage abgedeckt ist. Der Triumphbogen, sowie die Bögen zwischen Haupt- und Querschiff sind aus Ziegelsteinen hergestellt und mit einfachen Profilen in Cement geputzt. Gewölbt sind nur der Chor und die Thurmvorhalle; die übrigen Vorräume und die Treppenhäuser, sowie die Sacristei, der Raum für das Presbyterium und die Emporen haben geputzte Decken. Die in das Hauptschiff hineinragenden Emporen werden von eichenen Säulen getragen und sind ebenso wie sämtliche Verbandhölzer der Dächer und das Gestühl von Tannenholz. Nur die Kanzel nebst Aufgangstreppe und der Altaraufsatz, der auf einem einfachen, gemauerten und geputzten Tisch mit profilirter Sandsteindeckplatte steht, sind von Eichenholz gefertigt. Die Wandflächen haben hellen Kalkfarbenanstrich unter Casiinzusatz mit einfachen Band- und Blattornamenten erhalten; der Chor ist reicher in Oelfarbe ausgemalt. Im übrigen ist die Malerei einfach, nur die Fasen der sichtbaren Hölzer sind farbig abgesetzt. Die Gänge und der Chor haben Terrazzofußboden, die Vorhallen Sandsteinfliesenbelag, die Sacristei und der Raum für das Presbyterium Asphaltfußboden mit Linoleumbelag auf Betonunterlage erhalten; das Gestühl steht auf Holzfußboden, welcher durch Beton und eine darüber befindliche Asphaltpapplage gegen Feuchtigkeit geschützt ist.
Der Kirchenraum wird mittels zweier, durch die Emporen reichender Germanenöfen mit Koksfeuerung geheizt und durch einen zehnarmigen Kronleuchter, sowie vierzehn Wand- und Deckenarme elektrisch beleuchtet. Die Fenster, von denen das dreitheilige im Chor und die vier unter der Orgelempore in reicher figürlicher Malerei auf Kathedralglas gestiftet sind, sind im übrigen in einfacher rautenförmiger Bleiverglasung mit gemalten farbigen Randstreifen hergestellt. Das Geläute besteht aus drei Glocken, die in einem eisernen Stuhl hängen. Die Orgel hat 24 Register. Die Arbeiten wurden zumeist von einheimischen oder im Kreise wohnenden Handwerkern ausgeführt. Kanzel und Altaraufsatz wurden in Wernigerode gefertigt; die Fenster wurden aus Naumburg, die Orgel, die erst nach vollständiger Austrocknung des Mauerwerks eingebaut werden wird, aus Zörbig, die Uhr aus Bockenem a. Harz bezogen. Die Glocken sind in Apolda gegossen. Die Baukosten der Kirche haben einschließlich der Bauleitungskosten rund 137 600 Mark betragen. Hiervon entfallen 32 000 Mark auf ein Allerhöchstes Gnadengeschenk, 3500 Mark auf Privatstiftungen, 9400 Mark auf aus dem Abbruch gewonnene, sowie aus dem Gemeindebruch unentgeltlich gelieferte Bausteine und von der Gemeinde aus vorhandenen Beständen zur Verfügung gestellte Ziegelsteine. Der Rest der Baukosten wird gedeckt durch die Brandent-schädigungssumme für die frühere Kirche, durch Kirchensammlungen und freiwillige Zuschüsse der Gemeinde.
Bei 533 qm bebauter Grundfläche, 5521 cbm umbauten Raumes und 880 Sitzplätzen berechnet sich demnach der durchschnittliche Einheitspreis für 1 qm bebauter Fläche auf rund 258 Mark, 1 cbm umbauten Raumes auf rund 24,9 Mark, für 1 Sitzplatz auf rund 156,4 Mark. Der Entwurf ist nach einer bei der Königlichen Regierung in Cassel aufgestellten Skizze vom Kreisbauinspector Brzozowski in Schmalkalden ausgearbeitet und unter Oberleitung des Geheimen Bauraths Waldhausen ausgeführt worden; die örtliche Bauleitung nahm zwei Jahre in Anspruch und war während der Ausführung des Rohbaues dem Regierungs-Bauführer Deetz und während des inneren Ausbaues dem Regierungs-Bauführer Friebe übertragen.

Die Einweihung der Kirche hat am 10 Juli v. J. stattgefunden.

Liebe Gemeindeglieder,

aufgrund staatlicher Verordnungen zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus‘ sind sämtliche Gottesdienste und
sonstige kirchlichen Veranstaltungen bis auf weiteres (mindestens Ostern) abgesagt.

Auch Trauerfeiern dürfen nicht in Kirchen oder Trauerhallen abgehalten werden, sondern es finden lediglich Beisetzungen am
offenen Grab im Familienkreis statt.

Sobald sich daran etwas ändert, werden Sie durch Aushänge informiert.

So sind wir in diesem Jahr in der außergewöhnlichen Lage, dass wir auch die wichtigen kirchlichen Gedenktage zum Leiden
und Sterben Jesu sowie zu seiner Auferstehung nicht gemeinsam begehen können.

Doch das, was an Karfreitag und Ostern geschehen ist, verliert dadurch nichts von seiner Bedeutung. Gerade weil Jesus
diesen Weg durch den Tod ins Leben gegangen ist, dürfen wir uns auch in Zeiten solch einer
allgemeinen Bedrohung in Gottes Hand wissen.

Wenn wir uns auch nicht persönlich begegnen können, wollen wir doch auf ein Zeichen der Gemeinschaft nicht verzichten.
Nach dem Vorschlag unserer Landeskirche werden täglich um 12 Uhr die Glocken läuten:

Glocken rufen zum Gebet        

Glocken ertönen von vielen Kirchen an jedem Tag, morgens, mittags und abends – so wie es vor Ort üblich ist.
Sie laden ein zum persönlichen Gebet.

Die Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck laden ein:
Wo wir uns gerade befinden mögen –  während des 12 Uhr-Läutens sind wir gemeinsam im Gebet:

Für alle Menschen in Angst und Sorge; für die, die in Quarantäne leben, für die im Gesundheitsdienst Tätigen,
für die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, die vor großen Herausforderungen stehen,  – und für die Sterbenden.

Wir sind davon überzeugt: Im Gebet für unsere Nächsten wächst die Kraft zum Handeln für unsere Nächsten.

Wir danken Ihnen für Ihre Gebete und für Ihr helfendes Handeln!

Im Namen des Kirchenvorstands Brotterode,

Pfr. Andreas Adler